Arbeiten an 44 1558
Stand 06.11.2005
Nachdem die Formalitäten geklärt wurden, konnten die Arbeiten an der Dampflok
im März 2005 beginnen.
Es musste zunächst einmal geklärt werden, auf welchem Weg die Lok ihre
Heimreise antreten sollte.
Obwohl sie vor über 26 Jahren ihren Standort noch aus eigener Kraft erreicht hatte,
war ein Abtransport auf diesem Wege nicht mehr möglich. Durch Rückbau der Gleise auf
dem Gelände des Maximilianparks wurde die Lok vom Gleisnetz getrennt.
Die erste Idee:
Ein Spezialtransporter, der die Lok über die Straße transportieren kann währe wohl
die beste Alternative. Es ist ja inzwischen allgemein bekannt, dass der Transport
von Schienenfahrzeugen über die Straße günstiger und unter Umständen sogar schneller
ist als der logische Weg über die Gleise. Eine 44er den ganzen Weg auf der Straße bis nach
Gelsenkirchen zu transportieren ist aber doch eine Nummer zu groß.
Die Lademaße zwingen zu einem Schwertransport, dessen Route zuvor sehr genau erarbeitet
werden muss. Die Kosten würden in astronomische Höhen schnellen, weshalb diese Idee
schnell wieder verworfen wurde.
Damit war bereits klar, dass ein Transport nur über die Schiene in Frage kommen würde.
In der Nähe der Lok befanden sich noch immer an das Netz angeschlossenen Gleisanlagen.
Es waren also "nur" drei Probleme zu lösen.
- Die alten Gleise müssen dem Gewicht der bewegten Lok stand halten,
- Die Lok muss auf eigenen Rädern rollen können und
- Die Lok muss auf eines dieser Gleise umgestellt werden.
Für einen Transport über die alten Gleise hätten diese zunächst einmal saniert werden müssen.
Im Hinblick darauf, dass diese aber kurz danach zurückgebaut werden sollten wäre das
rausgeschmissenes Geld.
Aber der erste Punkt sollte auch realisierbar sein, indem mehrere Spurstangen in die Gleise
eingebaut und später wieder demontiert werden. Der Weg, der auf diese Weise bearbeitet werden
muss, ist jedoch noch nicht ganz klar, könnte aber sehr schnell einige hundert Meter erreichen.
Um die Lok wieder rollfähig zu machen, musste erheblich mehr Aufwand betrieben werden.
Es war davon auszugehen, dass die meisten Lager durch die lange Standzeit festsitzen.
Es sollte sich jedoch herausstellen, dass alle Lagerschmierstellen noch immer
verschlossen waren. Nach näheren Untersuchungen konnten keine Fremdkörper in den
Schmierstoffbehältern festgestellt werden, weshalb hier lediglich das Öl ausgetauscht
wurde. Die Treibstangen und die Steuerung mussten für den Transport demontiert oder wenigstens von den Rädern
getrennt und festgesetzt werden. Auch die Treibstange des mittleren Triebwerkes konnte
hiervon nicht ausgenommen werden, nur die Kuppelstangen mussten an den Treibachsen
verbleiben.
Der Grund hierfür ist relativ einfach; um bei normalem Betrieb eine Unwucht
des Antriebes durch das Gestänge zu vermeiden wurden bereits bei der Konstruktion
Kontergewichte in die Treibachsen eingearbeitet, die dieser Unwucht gleichwertig entgegen
wirkten. Würde man die Kuppelstange entfernen, dürfte die Lok nur noch sehr langsam
verschoben werden, weil die zum Ausgleich angebrachte Unwucht alleine wirken und die
Achsen zum Entgleisen bringen könnte.
Ob die Lok damit aber nun bewegt werden konnte war noch offen. Zunächst wurde der Tender
abgekuppelt und von Hand bewegt, was erheblich leichter als erwartet möglich war.
Wieder angehängt sollte nun die gesamte Lok bewegt werden. So einfach wie der Tender
alleine sollte dies natürlich nicht werden. Mit der Hand verschieben? Natürlich nicht...
Mit Spanngurten und Seilzug sollte die Lok bewegt werden, sie konnte sich jedoch erfolgreich
wehren.
Das sicherlich verharzte Fett und die dicke Farbe, die dem Denkmal auch im Lagerbereich
bereits aufgepinselt wurde, verlangt offenbar nach schwererem Gerät.
Am Pfingstwochenende sollte dieses mit Hilfe des Technischen Hilfswerkes zum Einsatz kommen.
Mit zwei 20t Pressen, zwischen Holzschwelle und Lokrahmen wird sich die Lok doch bewegen?
Denkste... Die Lok blieb standhaft. Stattdessen verschob sich die Schwelle inklusive
Schotterbett unter den verschraubten Schienen. Ein weiterer Versuch wurde unternommen, indem
die Kontergewichte in den Treibachsen angehoben werden sollten. Dabei hätte das Gewicht der
Lok ein Anheben verhindern und die dabei aufgebrachte Hebelwirkung zwischen Radsatzachse und
Hebepunkt die Lager in Bewegung setzen sollen. Der Boden inklusive der Schwellen war
jedoch zu weich um dieses Vorgehen weiter zu verfolgen.
Bis dahin konnte ein Schweißgerät sowie ein Stück Schiene aufgetrieben werden.
Die Schiene wurde auf die vorhandenen Gleise vor der Lok aufgeschweißt und somit ein
stabilerer Druckpunkt als die Holzschwelle konstruiert. Noch einmal wurden die beiden
20t Pressen vor der Lok in Position gebracht. Fast schon sollte auch dieser Versuch
aufgegeben werden, als leichtes Knarzen und Knacken die beginnende Bewegung ankündigte.
Kurz darauf bewegte sich endlich die ganze Lok. Die Farbe an den Lagern platzte ab und der
Kraftakt an der handbedienten Pressen-Pumpe war überstanden. Durch Einsetzen verschiedener
Verlängerungen in die Pressen konnte die Lok um ca. 0,8m bewegt werden.
Damit sollte auch der zweite Punkt zunächst abgearbeitet sein.
Kommen wir nun zum letzten Punkt. Die Lok muss irgendwie auf eines der Gleise, über die sie
dann auf eigenen Rädern weiter rollen kann.
Mit einem großen Autokran sollte die Lok auf das am besten erhaltene Stumpfgleis
gehoben werden. Aber auch hier hätten die Kosten für den Kran das Budget deutlich
gesprengt.
Also noch einmal zurück zur ersten Idee:
Wenn ein Straßentransporter die Lok nur um einige hundert Meter bewegen würde,
könnte auf den Kran verzichtet werden und der Zustand der alten Gleise währe völlig
uninteressant.
Jedoch wurden nach dem Rückbau der Gleise mehrere Grünflächen angelegt, die es dem
Transporter unmöglich gemacht hätten, vernünftig an die Lok heranzufahren.
Aus dem selben Grund war auch die Installation von provisorischen Gleisen nicht möglich.
Ein Entfernen der Grünflächen war nach Gesprächen mit den Verantwortlichen als absolut
indiskutabel eingestuft worden, weshalb der Transporter nun endgültig aus dem Rennen war.
Es konnte also nur eine Lösung geben:
Die Lok sollte mit einem Kran von ihrem Sockel auf eines der Nachbargleise gehoben werden.
Auf der Suche nach einer anderen Kranfirma wurde man glücklicherweise fündig.
Am 22. Juni wurde die Lok mit zwei kleineren Kränen auf eines der alten Stumpfgleise gehoben.
Da die Kräne hierbei bereits im Grenzlastbereich arbeiteten, war dies nur mit zehn
Zwischenstops
der Lok im Dreck realisierbar. Die Lok wurde also nach einem Teil des Weges abgesetzt
und anschließend wurden die Kräne neu positioniert.
Danach konnte sie dann erneut angehoben werden und das nächste Wegstück zurücklegen
bis sie auf dem anderen Gleis abgesetzt wurde.
Um die Rollfähigkeit für die lange Überführung bescheinigen zu können, musste die Lok
noch genauer untersucht werden. Hierzu wurde sie auf eine Arbeitsgrube der Hammer
Eisenbahnfreunde geschleppt, wo sie sich weitergehenden Prüfungen unterziehen musste.
Die Rollfähigkeit konnte nun bescheinigt werden, und der Überführung stand nichts
mehr im Wege.
Zum Hafenfest wurde die Lok mit Hilfe der RAG BAHN-HAFEN GmbH Gladbeck in den
Gelsenkirchener Hafen geschleppt. Die Lok wurde zwar für rollfähig erklärt, aber die
Bremsanlage wurde teilweise demontiert und war nicht mehr einsatzfähig. Deshalb war ein Bremswaggon
unvermeidbar (Bei einer evtl. Zugtrennung müssen beide Zugteile sicher in den Stand
abgebremst werden).
Die Überführung erfolgte mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20km/h. In jedem Bahnhof wurde
der Zug an die Seite genommen und alle Lager der Dampflok auf Wärme untersucht. Die erhöhte
Vorsicht sollte sich lohnen. Tatsächlich hatten wir einen Heißläufer (warm gewordenes
Lager) an den Kuppelachsen. Aufgrund der geringen Geschwindigkeit und der jeweils nur kurzen
Strecken hielt sich der Schaden in Grenzen und konnte direkt vor Ort notdürftig repariert
werden. Nach ca. zehn Stunden konnte die Lok im Hafen Gelsenkirchen abgestellt und beim
Hafenfest der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Am 08.10.2005 war es soweit. Nachdem die Vereinsmitglieder der H.E.G. im Bahnbetriebswerk Gelsenkirchen
Bismarck die Gleisanlagen teilweise wieder in Stand gesetzt hatten, wurde die Lok in ihr altes
Heimat-BW überführt und steht nun wieder im Trocknen.
Stand: 06.11.2005